„Über Geld spricht man nicht“

„Über Geld spricht man nicht“

Was haben Geld und Psychotherapie gemeinsam?

Vor einiger Zeit habe ich mir einen Interview-Podcast angehört, in dem eine bekannte deutsche Psychologin zu Gast war. Sie betreibt seit vielen Jahren in Trier eine Psychotherapiepraxis. Bekannt geworden ist sie aber vor allem als Buchautorin, speziell durch den vor zehn Jahren erschienenen Titel „Das Kind in dir muss Heimat finden“.

Dieses Buch stand mehrere Jahre ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste und es hat dazu beigetragen, dass sich Millionen von Deutschen mit der Frage beschäftigt haben, wie sie ihr eigenes „Schattenkind“ entdecken und heilen und ihr „Sonnenkind“ erstrahlen lassen können.

Ich denke, die meisten von Ihnen haben längst erraten, dass die Psychotherapeutin Stefanie Stahl gemeint ist. Es soll aber in diesem Blogbeitrag weniger um das Psychotherapiekonstrukt des inneren Kindes gehen. Von Stephanie Stahl und ihrem Konzept mag man halten, was man will. Aber eines lässt sich nicht leugnen: Mit ihren Büchern, zahlreichen Interviews und ihren eigenen Podcasts hat Frau Stahl maßgeblich dazu beigetragen, dass die Psychotherapie in Deutschland kein Tabuthema mehr ist.

Sigmund Freuds Couch ist der Inbegriff der „Psychoanalyse“. (Bild © Zaubar/ Sigmund Freud Privatstiftung) 

Von Sigmund Freud …

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne Menschen, die beim Stichwort „Psychotherapie“ unweigerlich an Sigmund Freud denken.

Freuds berühmte Couch mit dem Sessel daneben – fast jeder kennt dieses Ensemble. Es steht übrigens im Freud Museum in London. Und wenn Sie die Website des Museums aufrufen, werden Sie sogleich um eine Spende zum Erhalt „eines der berühmtesten Möbelstücke der Welt“ gebeten. So schnell sind wir also von der Psychotherapie beim „schnöden Mammon“ angekommen … (doch dazu später mehr).

Jedenfalls ist die Couch ohne Zweifel ein Symbolbild – allerdings weniger für Psychotherapie allgemein, sondern vielmehr für eine spezielle Theorie oder Methode der Psychologie, nämlich die Psychoanalyse.

Nichtsdestotrotz kommt oftmals als Erstes die Assoziation von Freud und seiner Couch, wenn der Begriff Psychotherapie fällt. Vielleicht liegt das auch daran, dass eine Psychotherapiepraxis ein geschützter Ort ist, an dem vertrauliche Geheimnisse preisgegeben und verborgene Gefühle enthüllt werden. Und wer selbst noch nie in der Praxis eines Therapeuten oder einer Therapeutin war, kann natürlich auch nicht wissen, wie es da aussieht.

Auf der Couch des Therapeuten lässt man seinen Gefühlen freien Lauf. (Bild: unsplash)

… über Stefanie Stahl …

Das Bild, das ich gerade gezeichnet habe, beginnt sich zum Glück zu verändern. Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen nimmt zusehends ab.

Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt erkennen immer mehr Menschen die Wichtigkeit der eigenen seelischen Gesundheit und suchen nach Lösungen, um ihr geistiges und emotionales Wohlbefinden zu verbessern. Und dazu haben hierzulande auch Menschen wie Stefanie Stahl beigetragen, indem sie öffentlich über „Mental Health“, Selbstwertgefühl und praxisnahe Psychologie sprechen.

Selbst ich habe in den „Proffe News“ sowie in diesem Blog schon über Themen wie Positive Psychologie, Achtsamkeit oder Resilienz geschrieben. 

… zu Tony Soprano

Wie in vielen anderen Bereichen können wir uns auch hier wieder die USA zum Vorbild nehmen, denn dort ist der offene Umgang mit der eigenen Psyche schon lange kein Tabuthema mehr.

In den Vereinigten Staaten gehört es gewissermaßen zum guten Ton, den Rat seines Therapeuten bei wichtigen Entscheidungen einzuholen. Denken wir nur an die ganzen US-Filme und -Serien, in denen die Protagonisten regelmäßig ihren „Shrink“, wie der Psychotherapeut dort genannt wird, aufsuchen.

Auch Mafiaboss Tony Soprano geht zur Therapie. (Bild © 2023 Home Box Office, Inc. All rights reserved).

Als Beispiel nenne ich hier nur die legendäre US-Serie „Sopranos“, die inzwischen auch schon ein Vierteljahrhundert alt ist. Die Hauptfigur, der Mafiaboss Tony Soprano, sucht darin auf ärztlichen Rat in der ersten Folge der Serie eine Psychiaterin auf, als ihm sowohl sein Business als auch seine Familie derart viel Stress bereiten, dass er Panikattacken bekommt.

Sopranos Therapeutin Dr. Jennifer Melfi hat übrigens auch eine Couch in ihrer Praxis stehen, sie ist also Psychoanalytikerin. Und wer sich anschauen möchte, wie Tonys Psychotherapie als zentrales Element über mehrere Staffeln hinweg in die Kult-Serie eingebettet wurde und wie der Mafiaboss sich gegenüber seiner Therapeutin trotz anfänglicher Ablehnung öffnet, kann das bei den Streamingdiensten unserer Trendfolger Amazon und Apple tun.

Tabuthema Geld?

Kommen wir nun zu einem anderen Tabuthema, wie es zumindest 42% unter uns sagen würden, bei dem sich einige Parallelen zur Psychotherapie finden lassen.

Wer denkt, dass die Einstellung „Über Geld spricht man nicht“ ein rein deutsches Phänomen sei, der irrt übrigens: Auch im Spanischen („Del dinero no se habla“) und im Italienischen („Del denaro non si parla“) kennt man diese Redewendung. Und wenn der Brite davon spricht, dass „Money talks, but wealth whispers“, dürfte etwas ganz Ähnliches gemeint sein.

Über Geld spricht man doch! (Bild: unsplash)

Doch in Deutschland prägt diese Einstellung zum eigenen Geld bis heute den Umgang mit Finanzen.

Wie es in Statistiken zu finden ist, aber auch vereinzelt von Ihnen in den Kommentaren mitgeteilt wurde, ist in Familien das Thema oft mit Schweigen belegt: Partner kommunizieren nicht offen über ihre Gehälter und ihre Ausgaben oder beim Mann sitzt das Geld locker, weil genug davon vorhanden ist, während die Frau mit ihrem Konto ständig den Dispo ausreizt – das sind keine Einzelfälle, glauben Sie es mir!

Und dass die Kinder in unseren Schulen nicht ausreichend darüber aufgeklärt werden, was vernünftiger Umgang mit Geld bedeutet, habe ich ja auch schon das ein oder andere Mal thematisiert.

Positive Signale

Doch auch hier bröckelt das Tabu. Laut einer aktuellen Stepstone-Studie sprechen jüngere Menschen heute offener über ihr Gehalt und ihre finanziellen Ziele.

Lena Ludwig, Karriereexpertin bei Stepstone, kommentiert die Ergebnisse wie folgt:

Lange Zeit galt: Über Geld spricht man nicht. Das ist gerade bei Jüngeren nicht mehr so. Die GenZ und Millenials sind immer besser darüber informiert, welches Gehalt sie fordern können, da sie sich offener darüber austauschen als ältere Menschen.“

Längst nicht in jeder Partnerschaft wird offen über Geld gesprochen. (Bild: unsplash)

In Sachen Gehalt scheint sich also etwas zu tun, das ist schon mal ein gutes Zeichen. Trotzdem gibt es beim Thema Geld in unserer Bevölkerung noch etliche Hemmschwellen – besonders, wenn es um Verschuldung oder ungleiche Verteilung innerhalb von Partnerschaften geht. Gerade Frauen berichten häufiger, dass sie sich nicht trauen, finanzielle Probleme offen anzusprechen.

Unsere zurückhaltende Haltung zum Thema Geld hängt sicher auch mit der deutschen Fehlerkultur zusammen: In Deutschland gilt Scheitern oft noch als Makel – wer Schulden macht oder mit einer Unternehmensidee baden geht, muss mit Spott statt Mitgefühl rechnen. In den USA dagegen gehört das Scheitern zum Lernprozess: Wer einmal hingefallen ist, wird eher bewundert für seinen Mut, es überhaupt gewagt zu haben.

Sprecht mit euren Enkeln offen über finanzielle Ziele! (Bild: unsplash)

Ein neues Mindset

Ich finde, dieses Mindset sollten auch wir uns aneignen. Denn wer nicht über Geld spricht, wird auch keine Klarheit finden.

Auch bei meinen Lesertreffen ermutige ich die Proffe-Community immer wieder: Redet mit euren Partnern, mit euren Kindern und Enkeln! Sprecht über Erfahrungen, Wünsche, Sorgen – und auch über konkrete Ziele und die Chancen, die sich durch ein Aktiendepot ergeben!

Denn nur wer sich traut, über Geld zu sprechen, versetzt sich in die Lage, mithilfe der Börse langfristig ein Vermögen aufzubauen. Arbeiten wir also an unserer Fehlerkultur und an unserem Money-Mindset (und wir müssen auch nicht zwingend dabei scheitern)!

Denn Offenheit in Geldthemen ist der erste Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Und die besten Entscheidungen trifft man bekanntlich auf einem soliden Fundament – ob es nun um die Psyche oder um den Kontostand geht.

Trendfolgeexperte Michael Proffe
Seit über 30 Jahren hat sich Michael Proffe überaus erfolgreich der Trendfolge verschrieben. Manche bezeichnen ihn sogar als „Mr. Trendfolge“. Bundesweit bekannt – und darüber hinaus – wurde er, weil er es mit drei seiner Börsendienste geschafft habe, in einigen Jahren mit einem Startkapital von 30.000  die unglaubliche Summe von einer Million zu erwirtschaften – dank seiner Trendfolgestrategie.

Michael Proffe ist bekannt aus

Post von Proffe

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