Optionsscheine

Optionsscheine einfach erklärt

Auf dieser Seite:

Ein Optionsschein ist im Grunde das Recht, eine Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu einem vorher festgelegten Kurs zu kaufen (wir betrachten bei unseren Erklärungen immer Call Optionsscheine auf Aktien). Der Kurs, zu dem ich die Aktie dann kaufen darf, nennt sich Basispreis.

Überschreitet die Aktie innerhalb der Laufzeit diesen Basispreis, so ist das für den Inhaber des Optionsscheins sehr gut. Denn er kann nun hingehen und die Aktie günstig einkaufen und im nächsten Moment wieder teurer verkaufen.

Nehmen wir zum Beispiel einen Optionsschein, der für die Aktie X einen Basispreis von 100 € vorsieht, und die Aktie steigt auf 120 €, so kann der Inhaber des Optionsscheins die Aktie für 100 € erwerben und im nächsten Moment für 120 € wiederverkaufen.

Das ist zwar in der Praxis nicht nötig, da der Optionsschein selbst handelbar ist, so ist aber prinzipiell die Idee, die hinter dem Optionsschein steht.

Die Differenz zwischen aktuellem Kurs der Aktie und dem Basispreis des Optionsscheines nennt man inneren Wert. Das Ziel beim Kauf eines Optionsscheines ist, einen möglichst hohen inneren Wert zu erreichen, bevor man den Optionsscheinen wieder verkauft.

Falls jedoch der Kurs der Aktie unter dem Basispreis des Optionsscheins liegen sollte, also zum Beispiel bei 90 €, macht es keinen Sinn, die Aktie für 100 € einzukaufen und für 90 € wieder zu verkaufen. Der innere Wert wäre in diesem Fall gleich null.

Optionsscheine Erklärung: Was sind Optionsscheine?

Was ist ein Optionsschein? Diese Frage stellen sich Börsenneulinge, wenn sie zum ersten Mal von Optionsscheinen hören. So sind Optionsscheine erklärt:

Wie der Name schon sagt, ist der Schein eine Option, nämlich eine bestimmte Aktie zu einem festgesetzten Kurs innerhalb eines festgesetzten Zeitraums zu kaufen. Der Einfachheit halber betrachten wir in dieser Erklärung nur Call Optionsscheine, als Optionsscheine, die sich auf den Kauf eine Aktie beziehen. Im Gegensatz zu Put Optionsscheinen, die das Recht auf den Verkauf einer Aktie beinhalten.

Angenommen Sie erwerben das Recht, eine Aktie innerhalb der nächsten 2 Jahre für 100 € zu kaufen. Diese Aktie ist heute 90 € Wert. Für dieses Recht bezahlen Sie 2 €. Dann würde sich der Kauf dieses Rechtes dann lohnen, wenn die Aktie über 102 € innerhalb der nächsten zwei Jahre steigen würde.

Angenommen die Aktie steigt auf 110 €. Dann würden Sie Ihr Recht, welches Sie für 2 € gekauft haben, nehmen, die Aktie für 100 € kaufen und könnten sie im nächsten Moment für 110 € wiederverkaufen. Ihr Gewinn läge (vereinfacht) bei 8 €. Das ist zum Verständnis die grundlegende Idee eines Optionsscheines.

Optionsschein Basispreis

Der Preis, für den Sie die Aktie innerhalb der Laufzeit des Optionsscheines kaufen können, nennt sich Basispreis (im oberen Beispiel wären das die 100 €).

Bezugsverhältnis

Eine weitere wichtige Kennziffer ist das Bezugsverhältnis. In der Praxis kann man meist nicht wie oben vereinfacht dargestellt für einen Optionsschein, eine Aktie einkaufen, sondern es gibt verschiedene Bezugsverhältnisse, häufig 1:10. Das heißt nichts anderes, als dass Sie 10 Optionsscheine benötigen, um eine Aktie für den Basispreis kaufen zu dürfen.

Wie funktionieren Optionsscheine? – Beispiel

Nachdem wir wissen, was ein Optionsschein ist und welche wichtigen Faktoren er enthält, wollen wir uns anschauen, welche Faktoren den Preis des Optionsscheines bestimmen. Das ist als erstes der innere Wert.

Der innere Wert

Der innere Wert hängt hauptsächlich von zwei Dingen ab. Auf der einen Seite ist es der Kurs des Basiswertes und auf der anderen Seite ist es der Basispreis des Optionsscheins.

Ein Optionsschein hat immer dann einen inneren Wert, wenn er mit Gewinn ausgeführt werden könnte. Nehmen wir an, ein Call Optionsschein der Aktie XY hat einen Basispreis von 50 €. Wenn also die Aktie XY höher als diese 50 € notiert, so hat der Optionsschein einen inneren Wert. Notiert die Aktie unter 50 €, so ist der innere Wert des Optionsscheins gleich null.

Aufgrund dieser Tatsache hören wir in der Praxis häufig drei Begriffe:

  1. „Im Geld“ oder auf Englisch „in the money“ bedeutet, dass der Kurs des Basiswertes (zum Beispiel der Aktie) über dem Basispreis des Optionsscheins liegt. Wir sprechen in unserer Betrachtung immer von Call Optionsscheinen, bei Put Optionsscheinen wäre es genau andersherum.
  2. „Am Geld“ oder auf Englisch „at the money“ bedeutet, dass der Kurs des Basiswertes gleich dem Basispreis ist. In diesem Fall haben wir keinen inneren Wert des Optionsscheins.
  3. „Aus dem Geld“ oder auf Englisch „out of the money“ bedeutet, dass der Kurs des Basiswertes unterhalb des Basispreises des Optionsscheins notiert, auch in diesem Fall ist der innere Wert des Optionsscheins null.

Optionsscheine Beispiel 1: Apple Aktie

Optionsschein Beispiel Apple Aktie

Prüfen wir diese Situation einmal anhand der Optionsscheine, die wir im Depot „Proffes Newcomer“ hatten. Wir wählen hier ein Beispiel aus dem Jahr 2012. Unser Apple Optionsschein hatte einen Basispreis von 440 $. Die Apple Aktie notierte derzeit bei 556 $. Somit war der Optionsschein „im Geld“ und hat einen inneren Wert.

Optionsscheine Beispiel 2: Fielman Aktie

Optionsschein Beispiel Fielmann Aktie

Betrachten wir hingegen den Optionsschein auf unsere Fielmann-Aktie so stellen wir fest, dass dieser Optionsschein einen Basispreis von 80 € hatte.

Die Fielmann-Aktie notierte derzeit im oben genannten Beispiel bei ca. 72 €. Somit ist der Optionsschein „aus dem Geld“. Dies ist jedoch nicht weiter schlimm, denn entscheidend ist, dass der Optionsschein zum Ende seiner Laufzeit „im Geld“ liegt, d.h. die Aktie sollte zum Ende der Laufzeit des Optionsscheins über 80 € stehen.

Optionsschein berechnen: Innerer Wert

Wir haben jetzt viel über den inneren Wert gelernt. Die Frage, die sich nun stellt, ist natürlich wie berechnet man den inneren Wert eines Optionsscheins? Hierfür gibt es eine einfache Formel.

Der innere Wert eines Call Optionsscheins berechnet sich folgendermaßen:

Optionsschein Formel Innerer Wert berechnen

Wobei bei dieser Formel zu beachten ist, dass der Wert eines Optionsscheins nie negativ sein kann, denn in diesem Fall wäre es günstiger, die Aktie direkt zu erwerben, als die Ausübung über einen Optionsschein stattfinden zu lassen.

Wie Sie sehen, spielt der innere Wert für den Kurs eines Optionsscheins eine gravierende Rolle, es gibt aber weitere wichtige Faktoren, die den Preis bestimmen.

Der Zeitwert

Es gibt Optionsscheine, deren innerer Wert gleich null ist, die aber trotzdem etwas kosten. Diese Optionsscheine haben offensichtlich, obwohl ihre Ausübung keinen Sinn machen würde, einen Wert.

Angenommen wir haben einen Optionsschein, der einen Basispreis von 100 € besitzt, und die dazugehörige Aktie tendiert bei 85 €. Der Optionsschein läuft aber noch über ein Jahr. Wir erkennen anhand dieses Beispiels, dass hier Hopfen und Malz noch lange nicht verloren sind.

In einem Jahr kann sehr viel passieren und die 15 €, die die Aktie aktuell unter dem Basispreis notiert, können schnell aufgeholt werden.

Und genau hierin ist der Wert begründet, den der Optionsschein innehat. Man schaut, wie wahrscheinlich es ist, dass die Aktie noch über dem Basispreis steigt. Es ist sehr leicht einzusehen, dass die Wahrscheinlichkeit umso höher ist, je größer die Restlaufzeit des Optionsscheines ist. Daher nennt man diesen Wert, den der Optionsschein hat, auch wenn der innere Wert gleich null ist, den „Zeitwert“.

Zeit ist Geld – die Restlaufzeit entscheidet

Würde bei gleicher Konstellation die Restlaufzeit nicht mehr über ein Jahr, sondern nur noch wenige Wochen betragen, so würde der Wert des Optionsscheins gegen null tendieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie zum Laufzeitende über dem Basispreis tendiert, ist um ein Vielfaches geringer. Und damit wäre nicht nur der innere Wert gleich null, sondern auch der Zeitwert nahe null und somit der Gesamtwert des Optionsscheins nahe null.

Mathematisch betrachtet berechnet sich somit der Zeitwert als die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Optionsscheines und dem inneren Wert.

In unserem Beispiel war der innere Wert gleich null, somit wurde der komplette Wert des Optionsscheines über den Zeitwert getragen.

Für den Zeitwert gilt, dass er besonders dynamisch in den letzten drei Monaten der Laufzeit abnimmt, da hier die Wahrscheinlichkeit einer Erholung der Aktie immer geringer wird.

Aber selbst wenn der Optionsschein bereits einen inneren Wert besitzt, nimmt der Zeitwert hier dramatisch ab, da die Möglichkeit eines weiteren Anstieges der Aktie mit ablaufender Zeit immer geringer wird.

Optionsschein Zeitwert

Zusammengefasst setzt sich der Wert unseres Optionsscheines also aus zwei verschiedenen Komponenten zusammen: Einmal haben wir den inneren Wert und zum anderen den Zeitwert.

Der innere Wert entsteht erst, wenn der Kurs der Aktie über dem Basispreis des Optionsscheines liegt und der Zeitwert, so haben wir gelernt, reduziert sich mit abnehmender Restlaufzeit des Optionsscheines und beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass der Optionsschein am Ende seiner Laufzeit einen inneren Wert erreicht.

Optionsschein Hebel – Segen und Fluch

Die Hebelwirkung bei Optionsscheinen ist einer der großen Vorteile.

Ein Beispiel: Angenommen wir haben eine Aktie, die aktuell 90 € Wert ist. Ein Optionsschein mit einem Basispreis von 100 € kostet pro Stück 1,5 €. Das Bezugsverhältnis beträgt 1:10.

Sie kaufen 10 Optionsscheine, um das Recht zu haben, eine Aktie zu kaufen. Nun steigt die Aktie von 90 € innerhalb der Laufzeit der Optionsscheine auf 130 €. Sie haben also insgesamt 105 € investiert (90 € für die Aktie + 15 € für 10 Optionsscheine). Die Aktie, die Sie dafür bekommen, ist aber bereits 130 € wert.

Somit haben Sie einen Gewinn von 25 € gemacht. Das bedeutet der Gewinn eines einzelnen Optionsscheins beträgt 2,50 € (25 €/10 Optionsscheine). Der Wert des Optionsscheines beim Verkauf beträgt somit 4 € (1,50 € Kaufpreis + 2,50 € Gewinn).

Während der Kurs der Aktie von 90 € auf 130 € um 44 % gestiegen ist, so ist der Optionsschein von 1,50 € auf 4 € gestiegen, das ist ein Gewinn von 166 %. Somit wurde der Gewinn der Aktie gehebelt, man spricht hier auch von dem „Leverage Effekt“ (leverage = Hebel).

Aber hier liegt natürlich auch die Gefahr. Sollte der Kurs der Aktie innerhalb der Laufzeit nicht die 100 € übersteigen, so würden die Optionsscheine wertlos verfallen. Denn es würde keinen Sinn machen, eine Aktie für 100 € zu kaufen und sie dann wieder für weniger zu verkaufen. Daher ist die Laufzeit der Scheine ein sehr wichtiges Kriterium.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Optionsschein vor Ende der Laufzeit wieder zu verkaufen und z.B. durch einen Schein zu ersetzen, der eine längere Laufzeit hat.

Hebel Optionsschein berechnen

Den Hebel bei Optionsscheinen berechnen Sie ganz einfach mit der folgenden Formel:

Formel Hebel Optionsscheine berechnen

Nun wissen Sie, wie der Optionsschein Hebel entsteht.

Wie handelt man Optionsscheine?

Um an den Gewinn eines Optionsscheins zu kommen, muss man nicht den Umweg über den Kauf der Aktie nehmen. Optionsscheine sind handelbar und man kann den Gewinn einfach durch den Verkauf des Scheines realisieren.

Vorteile von Optionsscheinen

Was ist nun der Vorteil von Optionsscheinen gegenüber dem Kauf einer Aktie?

  • Sie benötigen weniger Kapital als würden Sie die Aktie von Anfang an kaufen. Beispiel: Sie investieren 2 € (bzw. 20 € bei einem Bezugsverhältnis von 1:10) € anstatt anfänglich 90 € für die Aktie.
  • Bei steigenden Aktien profitieren Sie von der Hebelwirkung bei Optionsscheinen.