Champions springen auch bei schwierigen Windverhältnissen

Champions springen auch bei schwierigen Windverhältnissen

Wie mich das olympische Skispringen an Zinsentscheide erinnerte

Bei den Olympischen Winterspielen stand beim Skispringen ein Name ganz oben: Domen Prevc. Die Form stimmte, die Trainingssprünge überzeugten, deshalb waren sich die Experten einig: Das ist der Favorit auf Gold. Und er lieferte. Ein ruhiger Anlauf, ein sauberer Absprung, und die stabile Flugphase brachten ihn auf dem Podest ganz nach oben.

Doch selbst bei einem klaren Favoriten entscheidet mehr als Talent. Eine minimale Veränderung bei Windstärke oder Windrichtung kann entscheidende Meter kosten. Genau diese Unsicherheit sorgt für Spannung, obwohl die Ausgangslage scheinbar eindeutig ist.

So funktioniert das auch bei Zinsentscheiden.

Auch hier gibt es meist einen „Favoriten“. Das bedeutet, dass Analysten und Terminmärkte längst eingepreist haben, was die Notenbanken entscheiden dürften. Inflation und Arbeitsmarkt sind gewissermaßen die Windanzeigen am Schanzenturm.

Doch was passiert, wenn die Entscheidung minimal vom Erwarteten abweicht? Wenn der Ton schärfer ist als gedacht oder die Zinssenkung ausbleibt? Dann geht ein Raunen durch die Märkte. Wie im Stadion bei einer Windböe.    

Warum Notenbanken an der Zinsschraube drehen

Nach einem Skisprung schaut jeder auf die Weitenanzeige. An der Börse ist es der Leitzins. Doch warum wird dieser eigentlich ständig angepasst?

Die Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Preisstabilität. Die Inflation im Euroraum soll sich mittelfristig bei rund 2 % bewegen.

Steigt die Inflation deutlich darüber, erhöht die EZB die Zinsen. Dann werden Kredite teurer, Investitionen gehen zurück, für die Konsumenten lohnt sich das Sparen wieder. In der Folge kühlt die Nachfrage ab, der Preisdruck sinkt und mit ihm die Inflation.

Fällt die Inflation zu stark oder schwächelt die Wirtschaft, senkt die EZB die Zinsen. Dann wird Geld günstiger und Investitionen attraktiver.

Die Federal Reserve (FED) in den USA ist gewissermaßen das Pendant der EZB im Euroraum. Die FED hat neben der Preisstabilität allerdings noch ein weiteres Ziel: die maximale Beschäftigung.

Neben der Inflation spielt deshalb der Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle in den USA. Steigt die Arbeitslosigkeit, kann die FED auch dann lockern, wenn die Inflation nicht dramatisch niedrig ist. Umgekehrt wird sie bremsen, wenn ein überhitzter Arbeitsmarkt die Preise antreibt.

Während die US-Wirtschaft seit Jahren robuster wächst als die des Euroraums, mit stabilem Arbeitsmarkt und hoher Konsumnachfrage, hält die FED die Zinsen hoch, um den Inflationsdruck zu kontrollieren.

In der Eurozone dagegen ist das Wachstum verhaltener. Industrie und Konsum laufen nicht so dynamisch wie in den USA. Entsprechend muss die EZB vorsichtiger agieren, denn zu hohe Zinsen würden die Konjunktur stärker belasten.

Genau diese Unterschiede beeinflussen Kapitalströme, Währungen und letztlich auch die Bewertungen an den Börsen.

Deshalb ist die Zinsentwicklung für mich auch ein wichtiger Faktor in meiner Trendfolgestrategie. Nicht als kurzfristiger Alarmknopf, sondern als Rahmenbedingung für den Gesamtmarkt.

Denn wenn Zinsen steigen, verändert sich das Bewertungsniveau vieler Aktien. Wenn Zinsen fallen, steigt häufig die Risikobereitschaft. Ich beobachte diese Entwicklung sehr genau, und ordne sie ein. Aber ich verfalle bei Zinsentscheiden nicht in Hektik.

Windböen sind für Skispringer wie Zinsentscheidungen für Börsianer (Quelle: Unspalsh)

Was steigende oder fallende Zinsen für Unternehmen bedeuten

Zinsen sind für Unternehmen das, was der Wind für den Skispringer ist. Sie beeinflussen die Bedingungen, aber nicht automatisch die Qualität.

Steigen die Zinsen, wird Fremdkapital teurer. Das betrifft Bankkredite und Unternehmensanleihen, was Unternehmen mit hoher Verschuldung sofort spüren. Die Zinskosten steigen, Gewinne geraten unter Druck, Investitionen werden verschoben.

Doch es gibt entscheidende Unterschiede zwischen den zahlreichen weltweiten Unternehmen.

Manche von ihnen können ihr Wachstum aus dem operativen Geschäft finanzieren, aus freiem Cashflow. Sie sind deutlich weniger abhängig von kurzfristigen Zinsbewegungen, wenn auch nicht vollständig davon entkoppelt. Das ist fundamentale Stärke, und die finden wir regelmäßig in meinem Trendfolge-Universum.

Nehmen wir z.B. Nvidia. Der Konzern erwirtschaftet Milliardenbeträge an freiem Cashflow. Das schafft Spielraum für Forschung, neue Rechenzentren, strategische Partnerschaften. Solche Unternehmen sind deutlich weniger abhängig von kurzfristigen Kreditbedingungen.

Sinken die Zinsen, profitieren viele Firmen. Steigen sie jedoch, geraten vor allem schwach finanzierte Geschäftsmodelle unter Druck, während Marktführer mit starken Margen und soliden Bilanzen stabil bleiben.

Sie sehen: Für den Gesamtmarkt ist das Zinsumfeld entscheidend. Denn es beeinflusst Bewertungen, Kapitalströme und die Risikobereitschaft der Investoren. Deshalb schaue ich mir fortlaufend an, wie sich das aktuelle Zinsumfeld auf die Trendfolger auswirken könnte, natürlich zusätzlich zu den anderen Parametern meines Trendfolge Systems, wie z.B. die fundamentalen Unternehmensdaten.

Starke Unternehmen springen auch bei Rückenwind weit (Quelle: Unsplash)

Warum der einzelne Zinsschritt oft überschätzt wird

Ein Viertelprozentpunkt rauf oder runter, und schon laufen die Schlagzeilen heiß. Doch in Wahrheit ist der eigentliche Zinsschritt oft gar nicht das Entscheidende.

Denn Märkte handeln Erwartungen. In vielen Fällen ist längst in die Börsenkurse eingepreist, was die EZB oder die FED beschließen werden.

Richtig spannend wird es erst danach. Denn viel wichtiger als die Entscheidung selbst sind die Protokolle, Pressekonferenzen und der Ausblick auf die kommenden Monate.

  • Klingt die Notenbank vorsichtiger als erwartet?
  • Wird eine längere Hochzinsphase angedeutet?
  • Oder öffnet sich die Tür für weitere Zinssenkungen?

Oft reicht eine kleine Formulierung oder auch nur der Tonfall, und die Märkte reagieren stärker als auf den Zinsschritt selbst.

Es geht also weniger um die eigentliche Entscheidung, sondern um das „Was kommt als Nächstes“. Was die Notenbanken signalisieren, und wie sich das auswirken kann, prüfe ich für meine Trendfolger sehr genau. Oft genug zeigt sich dabei: Die fundamentale Stärke der Unternehmen bleibt intakt, auch wenn der Markt kurzfristig nervös reagiert.

Deshalb starren wir Trendfolge-Investoren auch nicht auf die Schlagzeile. Wir lesen den geldpolitischen Trend und überprüfen gleichzeitig, ob die Unternehmen operativ stark bleiben und ob die Umsätze, Margen und Cashflows weiterwachsen.

Denn selbst die beste Zinsprognose ersetzt kein solides Geschäftsmodell.

Einzelne Zinsschritte sind wie kleine Windveränderungen. Der geldpolitische Ausblick dagegen zeigt, aus welcher Richtung der Wind in den kommenden Monaten wehen könnte.

Die Trendfolge-Perspektive auf Zinsentscheide

Wir Trendfolge-Investoren reagieren nicht auf jede Windböe. Wir analysieren das große Bild.

Ich stelle mir für meine Trendfolgeunternehmen u.a. folgende Fragen, und bewerte sie nach Zinsentscheiden neu:

  • Profitieren die Unternehmen strukturell von Megatrends?
  • Fließt das Kapital der Unternehmen weiterhin in Zukunftstechnologien?
  • Haben die Unternehmen Preissetzungsmacht?

Wenn meine Fragen weiterhin positiv beantwortet werden können, dann ändert ein einzelner Zinsschritt nichts an meiner langfristigen Positionierung. Denn echte Marktführer wachsen nicht wegen niedriger oder hoher Zinsen. Sie wachsen, weil ihre Produkte oder Dienstleistungen gebraucht werden.

Megatrends bestimmen die Richtung, wo Zinsen nur das Tempo beeinflussen (Quelle: Unsplash)

Nicht der Wind entscheidet, sondern die Klasse

Zinsentscheide werden kommen und gehen. Mal steigen die Zinsen, mal sinken sie. Statt auf jede Schlagzeile zu reagieren, bewerte ich mit meinem Trendfolge System gezielt, ob die Trendfolger vom Kurs abkommen oder weiterhin wachsen können.

Unternehmen, die ihr Wachstum aus eigener Kraft finanzieren können, sind unabhängiger vom Zinsumfeld. Sie investieren weiter, während andere bremsen müssen. Sie gewinnen Marktanteile, wenn Wettbewerber unter Druck geraten.

Natürlich spielen Zinsen eine Rolle. Aber sie sind nicht das Geschäftsmodell.

Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte deshalb nicht auf einzelne Zinsschritte starren, sondern auf Qualität setzen. Auf Marktführer. Auf Unternehmen, die auch bei schlechten Windverhältnissen stabil bleiben und weiter wachsen.

Trendfolgeexperte Michael Proffe
Seit über 30 Jahren hat sich Michael Proffe überaus erfolgreich der Trendfolge verschrieben. Manche bezeichnen ihn sogar als „Mr. Trendfolge“. Bundesweit bekannt – und darüber hinaus – wurde er, weil er es mit drei seiner Börsendienste geschafft habe, in einigen Jahren mit einem Startkapital von 30.000  die unglaubliche Summe von einer Million zu erwirtschaften – dank seiner Trendfolgestrategie.

Michael Proffe ist bekannt aus

Post von Proffe

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