Robert und die Flusskreuzfahrt
„Slow Living“
Vor einiger Zeit hatte ich eine alte Freundin zu Besuch. Sie kam gerade zurück von einer Flusskreuzfahrt, die sie zusammen mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter gemacht hatte. Eigentlich hätte sie gut erholt und bester Laune sein müssen, aber sie war total genervt – und zwar von ihrem Mann. Nennen wir ihn hier der Einfachheit halber mal Robert. „Robert war die ganze Reise über damit beschäftigt, Börsenkurse zu checken“, berichtete sie mir.
Auch die Landausflüge interessierten Robert nicht, er blieb lieber an Bord und beschäftigte sich intensiv mit seinem Depot. „Gesehen haben wir uns eigentlich nur zu den Mahlzeiten. Während ich tagsüber meine Schwiegermutter auf die Ausflüge begleitet habe, saß er in der Kabine am Laptop. Ich frage mich, warum er überhaupt mitgekommen ist. Das war rausgeschmissenes Geld!“, so ihr Fazit zur gemeinsamen Reise.
Ich fand diesen Erfahrungsbericht zwar irgendwie amüsant, aber andererseits stimmte mich das auch nachdenklich. Denn ich kenne genug Menschen in meinem Umfeld, die – ähnlich wie Robert – kein anderes Thema haben als ihr Depot, und die dabei vergessen, dass es auch noch ein Leben außerhalb der Börse gibt (auf mich selbst trifft das zum Glück nicht zu).
Mir fiel dabei gleich wieder ein, welche Rückmeldungen ich von Ihnen im vergangenen Jahr zu meiner „Frage der Woche“ bekam, bei der ich wissen wollte, ob Sie auch im Urlaub aktiv am Investment-Ball bleiben. Jemand schrieb mir da: „Wofür hat man ein Handy… im Urlaub auf der Badeliege hat man doch Zeit, um kurz die Kurse zu checken.“ An Antworten wie diesen konnte ich gut erkennen, dass es unter meinen Leserinnen und Leser etliche solcher „Vollblut-Anleger“ wie Robert gibt.
Selbst am Strand wird das Depot gecheckt

Die Antworten auf meine „Frage der Woche“ vom vergangenen Juli waren für mich ziemlich überraschend: Denn rund 78 Prozent von Ihnen sagten: Auch im Urlaub bleibe ich dran! Und nur 22 Prozent meiner Leserinnen und Leser freuen sich im Urlaub auf eine Ruhepause von der Börse. Ich finde es natürlich grundsätzlich prima, dass Ihnen der Vermögensaufbau am Herzen liegt. Und ich freue mich logischerweise auch darüber, dass ich Ihnen selbst im Urlaub mit den Empfehlungen meiner Börsendienste zur Seite stehen darf.
Einige Ihrer Rückmeldungen waren herrlich direkt – von „Bin fast süchtig“ bis „Aktien und Optionsscheine? Selbst am Strand bin ich dabei. Sonne, Sand und Börse, besser geht’s nicht!“ Andere klangen fast schon poetisch: „Es gibt nichts Schöneres, als am Strand zu liegen und zu sehen, dass das Depot wächst.“ Oder auch: „Investieren ist Urlaub!“
Glauben Sie es mir: Ich freue mich wirklich über dieses Engagement! Aber heute möchte ich Ihnen trotzdem einen Gedanken mitgeben, der mir persönlich sehr wichtig ist: Börse geht auch in ruhig! Und das ist keine Schwäche, sondern Stärke. Einige von Ihnen sind da offenbar auf einer Wellenlänge mit mir. Denn sie schrieben mir als Antwort auf die Frage der Woche so herrliche Dinge wie „In der Ruhe liegt die Kraft“ oder „Auch das moneymind braucht eine Pause“.
Entschleunigung als Lebensmotto

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Den Begriff „Slow Living“ haben Sie bestimmt schon mal gehört, denn er wird seit ein paar Jahren fast schon inflationär auf sämtliche Bereiche unseres Lebens übertragen. Der Begriff steht für eine Lebensweise, die bewusst auf Entschleunigung setzt. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen, achtsamer zu leben und sich nicht ständig vom nächsten Trend oder Termin hetzen zu lassen. Statt „höher, schneller, weiter“ steht das bewusste Leben im Mittelpunkt – mit dem Fokus auf das, was wirklich zählt. Wie kann das gelingen? Zum Beispiel durch „Digital Detox“, also einem weitgehend analogen Leben, oder durch entschleunigte Hobbies wie Backen, Gärtnern, Töpfern oder Handarbeiten.
In etlichen Bereichen unseres Alltags ist der Trend zur Entschleunigung inzwischen angekommen: Es gibt Slow Food, das bewusst auf regionale, saisonale Küche setzt. Man spricht von Slow Gardening und Slow Flowers, wenn Nachhaltigkeit beim Pflanzenanbau und der Rhythmus der Natur im Vordergrund stehen. Und beim Slow-Fashion-Konsum wird Wert gelegt auf möglichst langlebige Kleidung, Second-Hand-Ware oder sogenannte „Capsule Wardrobes“, also vielseitig kombinierbare und nachhaltige Kleidungsstücke.
Auch das Zeitschriftensegment hat der Slow-Living-Trend längst erreicht: Am Kiosk findet man etliche sogenannte „Mindstyle“-Magazine, bei denen unter dem Label „Slow“ oder auch „Flow“ dem Müßiggang gefrönt wird. Der Wunsch, bewusster im „Hier und Jetzt“ zu leben, ist demnach kein Nischenphänomen, sondern wachsender Gegentrend zur Dauerbeschleunigung unserer Zeit.

Und die Börse?
Rückmeldungen wie „Börse ist immer“ oder „Geld schläft nicht, das Depot muss immer im Blick sein“, die ich zu meiner Frage der Woche erhielt, zeigen mir, dass viele unter uns denken, Börse sei das Gegenteil von Entschleunigung. Ich sehe das anders. Gerade langfristiges Investieren – so, wie ich es mit meiner Trendfolgestrategie vertrete – ist im besten Sinne „slow“. Keine Hektik, keine Panikverkäufe, kein nervöses Hin und Her. Stattdessen: beobachten, verstehen, folgen.
Deshalb lautet mein Motto seit vielen Jahren: more time to live® – mehr Zeit zum Leben. Meine Börsendienste sind kein Daytrading-Service. Sie sind dafür da, dass Sie sich entspannt zurücklehnen können, während ich die Arbeit mache und die Chancen und Risiken für Sie einordne. Denn Ihr Depot soll nicht Ihren Terminkalender bestimmen. Es soll Ihnen Freiheit geben.
Was wir von Finnland lernen können

Dass man mit einem entschleunigten Lebensstil nicht nur entspannter, sondern auch erfolgreicher lebt, zeigt kaum ein Land besser als Finnland. Über die Finnen habe ich in meinem Newsletter und auch hier im Blog schon häufiger geschrieben. Denn sie gelten nicht nur als besonders entspannt, sondern auch als wirtschaftlich stabil. Und das ist messbar: In Rankings zur Lebenszufriedenheit landet das Land regelmäßig ganz oben. Im neuen Weltglücksbericht 2026 etwa, der im März veröffentlicht wurde, belegt Finnland bereits zum neunten Mal in Folge den Spitzenplatz. Deutschland konnte sich immerhin auf Rang 17 verbessern (im Vorjahr war es noch Platz 22).
Das solide Fundament von gesellschaftlichem Zusammenhalt und Zufriedenheit erzeugt in Finnland stabiles wirtschaftliches Marktumfeld. Der Witz an der Sache: OECD-Daten belegen, dass nur 4 % der finnischen Angestellten sehr lange arbeiten – deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 10 %. Dass dies nicht zulasten der Leistung geht, beweist die hohe Arbeitsproduktivität. Das BIP pro geleistete Arbeitsstunde lag 2023 bei 82,96 US-Dollar und damit klar über dem OECD-Schnitt von 70,62 US-Dollar.
Für mich ist das ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass „Slow Living“ und wirtschaftlicher Erfolg eben kein Widerspruch sein müssen. Im Gegenteil! Zufriedenheit, Vertrauen und Fokus sind Werte, die sich auch langfristig auszahlen. Leistung entsteht nicht durch Dauerstress, sondern durch kluge Strukturen. Das ist an der Börse genauso wie im Leben.
Entschleunigung als Schutzstrategie

Gerade in Zeiten globaler Krisen ist es verführerisch, täglich aufs Handy zu schauen und jedes Börsengerücht, jede Nachricht aus dem Nahen Osten oder aus Washington in Echtzeit zu verfolgen. Aber: Das macht etwas mit uns.
Wer sich ständig mit den Krisen dieser Welt beschäftigt, verliert den Blick fürs Wesentliche. Daher mein Rat an Sie und an die Roberts dieser Welt: Lassen Sie sich nicht verrückt machen! Ein solides Depot braucht keine permanente Kontrolle. Es braucht Weitblick. Es braucht Vertrauen. Und eine klare Strategie.
Ich kann verstehen, dass die Börse für viele meiner Leserinnen und Leser ein Hobby ist. Aber es darf nie zur Belastung werden. Genau deshalb habe ich meine Trendfolgestrategie entwickelt: Damit Sie investieren können – und trotzdem durchatmen. Ob beim Gärtnern, auf einer Flusskreuzfahrt oder am finnischen See: Wer „slow“ lebt, lebt bewusst. Und wer bewusst lebt, trifft auch bessere Entscheidungen. In meinen Börsendiensten zeige ich Ihnen, wie das funktioniert – mit mehr Zeit zum Leben und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben!