Die Sorgen und Nöte der „Generation Klarna“
Schulden machen als Trend?
Wer von Ihnen erinnert sich noch an die Zeiten der dicken Versandhauskataloge?
OTTO, Neckermann, Quelle, BAUR – das waren ab den 1950er Jahren feste Größen in vielen deutschen Haushalten. Seite um Seite voller Wünsche: Fernseher, Möbel, Mode, Fernreisen, Spielzeug – alles zum Greifen nah! Vor allem in der Vorweihnachtszeit konnten wir uns als Kinder stundenlang damit beschäftigen, in den Katalogen zu stöbern und mit ihrer Hilfe unsere Wunschzettel fürs Christkind oder den Weihnachtsmann zu befüllen.
Aber nicht nur bei uns Kindern erfreuten sich die dicken Wälzer großer Beliebtheit, auch unsere Eltern waren eifrige Versandhauskunden. Schließlich versprach die Angebotspalette von Neckermann und Co. „Produkte für Jedermann“. Und wer das nötige Kleingeld gerade nicht zur Hand hatte, für den gab es die Option „Ratenzahlung“ – ganz offiziell, mit Bonitätsprüfung und überschaubaren Zinsen.
Damals war es ganz normal, per „Sorglos-Ratenkauf“ zu bestellen – und das nicht nur für größere Anschaffungen wie den neuen Fernseher oder die Wohnzimmergarnitur.
Die Welt von heute ist eine andere. Versandhauskataloge gibt’s kaum noch und das Shopping-Erlebnis hat sich ins Digitale verlagert. Statt „Neckermann macht’s möglich“ heißt die Devise nun „Buy now, pay later“.
Strenggenommen ist „Buy now, pay later“ nichts anderes als der gute alte Ratenkauf aus früheren Zeiten – nur mit viel dramatischeren Folgen. Welche das sind und warum der Klick auf ‚später bezahlen‘ vor allem für junge Menschen zum Problem wird, darüber geht es in diesem Blog-Beitrag.
Ich bin dann mal App!
Dieser Spruch war auf dem Cover des letzten OTTO-Hauptkatalogs zu lesen, der Ende 2018 erschien.
„Unsere Kunden haben den Katalog selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen“, kommentierte damals Marc Opelt, CEO von OTTO, den Transformationsprozess im Versandhausgeschäft.
Während OTTO auch heute noch als Versandhändler unterwegs ist, sind viele andere Player aus der Katalog-Ära längst vom Markt verschwunden, weil sie den Wandel ins Digitale nicht hinbekommen haben oder von anderen, innovativeren Unternehmen überholt wurden.

Eines dieser innovativeren Unternehmen ist der schwedische Bezahldienstleister Klarna.
Klarna wurde 2005 in Stockholm gegründet und hat sich in wenigen Jahren zu einem der führenden Anbieter von Zahlungsdienstleistungen für Online-Shops entwickelt. Besonders populär wurde Klarna durch das Konzept „Buy now, pay later“ – also erst shoppen, später zahlen. Damit trifft Klarna genau den Nerv einer jungen, digitalaffinen Zielgruppe, die unkomplizierte, schnelle und flexible Bezahlmöglichkeiten sucht.
Im Gegensatz zu klassischen Kreditmodellen wirkt der Klarna-Checkout beinahe spielerisch – mit wenigen Klicks ist der Einkauf erledigt, ohne dass einem direkt bewusst wird, dass man sich verschuldet. Genau das macht Klarna aus Sicht vieler Experten so riskant – und aus Sicht der jungen Konsumenten gleichzeitig so attraktiv.

„Es verführt dazu Sachen zu kaufen, die ich mir nicht leisten kann. Besser ist es sich Dinge zu kaufen, wenn man sie zweimal kaufen könnte (Autos + Häuser mal ausgenommen). Dann ist man solvent genug und hatte auch Zeit zu überlegen, ob man diese Sache auch wirklich braucht.“ (Kunden-Feedback aus der „Frage der Woche“ vom 05.01.2026)
So tickt die Generation Klarna
Die neueste Auflage der Trendstudie „Jugend in Deutschland“ zeigt: Schulden machen liegt bei der Jugend voll im Trend. Jeder fünfte 14- bis 29-Jährige ist laut dieser repräsentativen Befragung bereits verschuldet.
Besonders alarmierend: Es handelt sich dabei nicht etwa um Studienkredite oder Immobilienfinanzierungen – sondern überwiegend um Konsumschulden. Die Studienautoren sprechen deswegen auch ganz offen von „Klarna-Schulden“ und ein beliebtes Synonym für die GenZ – also die Bevölkerungsgruppe der ab Mitte der 1990er-Jahre Geborenen – lautet: Generation Klarna.

Die Tücke liegt dabei im Klick. Denn das Klarna-Prinzip „Buy now, pay later“ klingt zwar bequem, birgt aber große Risiken. Denn mit nur einem Klick wird aus einem Einkauf ein Kredit – oft, ohne dass den jungen Leuten bewusst ist, was sie da eigentlich abschließen.
Schuldnerberater warnen zu Recht: Es fehlt der Überblick. Wer in kurzer Zeit mehrere Einkäufe aufschiebt, verliert schnell die Kontrolle über seine Ausgaben. Und während früher bei den Versandhauskatalogen noch eine Bonitätsprüfung zwischen Wunsch und Kauf stand, reicht heute ein Wisch über das Display.
„Das Prinzip erfordert hohe Disziplin. Wenn ich es beherrsche eine gute Sache. Alle, die Probleme damit haben, die Übersicht ihrer Verbindlichkeiten zu haben, sollten es besser nicht praktizieren.“ (Kunden-Feedback aus der „Frage der Woche“ vom 05.01.2026)
Ein gefährlicher Spagat
Auch die weltweite „Global Gen Z and Millennial Survey“ von Deloitte aus dem letzten Jahr zeichnet ein beunruhigendes Bild: Rund ein Drittel der jungen Berufstätigen hat Probleme, die monatlichen Lebenshaltungskosten abzudecken.
Mehr als die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland fürchtet, später nicht ausreichend für den Ruhestand vorsorgen zu können. Gleichzeitig lebt fast jeder Zweite der Gen Zs und der Millennials (das sind die Jahrgänge 1983 bis 1994) von Gehalt zu Gehalt – Tendenz steigend.
Finanzielle Belastungen, Unsicherheit am Arbeitsmarkt und der Wunsch nach Selbstverwirklichung führen bei vielen zu einem gefährlichen Spagat zwischen Konsumwunsch und finanzieller Realität.

Von Schulden zur Überschuldung
Ein erschreckendes Bild zeichnet auch der vor wenigen Monaten erschienene SchuldnerAtlas 2025. Er zeigt, dass die Zahl überschuldeter Verbraucher in Deutschland erstmals seit 2018 wieder deutlich gestiegen ist.
Rund 5,67 Millionen Menschen gelten hierzulande als überschuldet – was bedeutet, dass diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, fällige Raten zu begleichen. Besonders besorgniserregend dabei ist, dass die Gruppe der jungen Erwachsenen überproportional betroffen ist.
Bei der besonders konsumaffinen Gruppe der unter 30-Jährigen hat die Zahl überschuldeter Verbraucher im letzten Jahr überdurchschnittlich stark zugenommen. Die Ursachen sind vielfältig: Erkrankungen, Sucht und Unfälle sind die häufigsten Auslöser für Überschuldung. Doch auch die Leichtigkeit, mit der Ratenkredite heute aufgenommen werden können – Stichwort Klarna –, ist ein zentraler Treiber dieser Entwicklung.
In den Statistiken taucht das dann als „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ oder „irrationales Konsumverhalten“ auf.
„Jede Form des Späterzahlens ist ein Kredit. Gut für die Finanzwirtschaft und den Verkäufer, gut für sinnvolle Investitionen, nicht ratsam für Konsum. „Vorkasse“ (gepaart mit ordentlich Skonto) wäre besser!“ (Kunden-Feedback aus der „Frage der Woche“ vom 05.01.2026)

Die Demokratisierung von Wissen
Nachdem ich jetzt so viel über die Sorgen und Nöte junger Menschen geschrieben habe, möchte ich zum Schluss aber auch noch von einem positiven Trend berichten.
Denn gerade in der GenZ nimmt das Interesse an Geld und Finanzen zu. Laut dem Deutschen Aktieninstitut investieren heute bereits 8 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Aktien – Tendenz steigend.
Im vergangenen Sommer war im SPIEGEL in der Serie „Die Deutschen und ihr Geld“ folgendes zu lesen: „Die junge Generation ist extrem finanziell gebildet.“ Und: „Es findet eine Demokratisierung von Wissen statt.“ Genau dazu möchte auch ich beitragen – mit diesem Blog-Beitrag und natürlich auch mit meinen Börsendiensten.
Speziell für junge Investoren und Einsteiger, die noch wenig Erfahrung mit der Börse haben und kein riesiges Startkapital mitbringen, habe ich „Proffes Newcomer“ konzipiert. Darin zeige ich, wie sich ohne großen Aufwand und mit einem kleinen Startkapital von 3.000 Euro langfristig ein Vermögen aufbauen lässt.

Stichwort langfristig: 73 Prozent der jungen Leute im Alter von 12 bis 25 Jahren gaben bei der letzten Shell-Jugendstudie an, dass es für sie persönlich wichtig ist, einen hohen Lebensstandard zu haben.
Wer dieses Ziel anstrebt, dem rate ich, möglichst früh anzufangen und Geduld mitzubringen – genau das ist die Basis meiner Trendfolgestrategie.
Der Gegenentwurf dazu, das Prinzip „Buy now, pay later“, mag zwar kurzfristig verlockend sein, aber es ist definitiv kein Megatrend und auch nicht der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit!
Und übrigens gilt auch an der Börse: Investiere nur Geld, das du wirklich hast! Daher mein Rat an alle jungen Menschen: Lieber heute etwas weniger „irrationales Konsumverhalten“ an den Tag legen und das gesparte Geld stattdessen bewusst investieren – und morgen ganz entspannt leben.