Gönnen ausdrücklich erlaubt!
Martin Suter und die Kunst des Konsumierens
vor einiger Zeit habe ich einen Interview-Podcast mit dem Schweizer Bestsellerautor Martin Suter gehört – einem meiner Lieblingsautoren. Ich mag Suter, weil er zum einen gar nicht weit weg von mir lebt und zum anderen, weil er eine Leidenschaft mit mir teilt: die schönen Dinge des Lebens zu genießen.
Im Podcast, der live vor Publikum in Zürich aufgezeichnet wurde, ging es auch um die Themen Reichtum und Konsum. Suter, der mit seinen Büchern sehr viel Geld verdient hat, sagte dazu: „Am schlimmsten finde ich geizige Reiche. Wenn Reichtum nicht Großzügigkeit bedeutet und wenn Sparsamkeit eine Tugend ist, die über das hinausgeht, dass man sich ein bisschen absichern will, dann finde ich das nicht okay.“ Ich musste schmunzeln und dachte: Das ist doch ein Spitzen-Thema für meinen Blog!

Von Martin Suter lernen
Falls Sie noch kein Buch von Martin Suter gelesen haben, sollten Sie das schnellstens nachholen. „Elegant“ ist vermutlich der Begriff, der am ehesten auf seinen Schreibstil zutrifft. Und elegant geht es zumeist auch in Suters Romanen zu, die uns in vielen Fällen als Leser in die Welt der Reichen und Schönen katapultieren.
Zum Einstieg empfehle ich Ihnen die „Allmen-Krimis“, in denen der Protagonist Johann Friedrich von Allmen sich als Gentleman-Gauner und Feingeist mit einer Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen versucht. Ein echtes Lesevergnügen!
In dem Podcast, den ich mir kürzlich für diesen Beitrag noch einmal angehört habe, sagt Martin Suter über seine Schriftstellertätigkeit: „Geldverdienen ist mir nicht wichtig. Aber ich habe eine Schwäche für die komfortablen Seiten des Lebens.“ Und weiter führt er aus: „Wer viel verdient, ist verpflichtet, viel auszugeben. Sonst funktioniert eigentlich die Wirtschaft gar nicht.“
Ganz ehrlich: Diese Aussagen hätten auch von mir stammen können! Denn wer schon mal bei einem meiner Lesertreffen dabei war oder an meinen Webinaren teilgenommen hat, der hat hoffentlich in Erinnerung behalten, dass ich meine Leserinnen und Leser immer dazu anhalte, die Gewinne aus ihrem Depot bewusst auch für Konsumzwecke zu nutzen. Denn seien wir ehrlich: Geld verdienen macht nur halb so viel Spaß, wenn man sich nicht ab und zu etwas gönnt.
Es geht nicht nur darum, das Depot zu beobachten, wie es stetig wächst. Sondern auch darum, sich selbst und anderen Freude zu bereiten – sei es eine Reise, ein schönes Abendessen oder ein kleiner Luxus, der schon lange auf der Wunschliste steht.
Vom schlechten Image des Konsums

Eine etwas andere Einstellung zum Konsum vermittelt die aktuelle Ausgabe des Konsumbarometers von Consors Finanz. Die Studie zeigt, dass viele Verbraucher den Konsum inzwischen sehr kritisch sehen.
6 von 10 Deutschen verbinden den Begriff „Konsum“ demzufolge vor allem mit negativen Assoziationen. Für 25 Prozent der Deutschen ist Konsum sogar Verschwendung. Und auch auf europäischer Ebene – die Studie wurde neben Deutschland in neun weiteren Ländern in Europa durchgeführt – nehmen die Verbraucher die Schattenseiten des modernen Konsums inzwischen deutlich wahr.
Auf die Frage, was die eigenen Gefühle in Bezug auf das heutige Konsumverhalten am besten beschreibt, kommt demnach vor allem ein „zu viel“ zum Ausdruck. Hinzu kommen ökologische Bedenken. Drei von zehn Deutschen sehen eine enge Verbindung zwischen dem heutigen Kaufverhalten und der Umweltverschmutzung, 27 Prozent zwischen Konsum und Klimawandel. Die Europäer sind an dieser Stelle mit Werten von 47 und 46 Prozent sogar noch kritischer.

Gar nichts mehr kaufen?
Laut Konsumbarometer hinterfragen immer mehr Menschen ihr eigenes Konsumverhalten. 43 Prozent der Deutschen geben zu, dass sie Dinge kaufen, die eigentlich überflüssig sind, und bei 44 Prozent werden regelmäßig Lebensmittel weggeworfen.
Mehr als die Hälfte der Befragten schämt sich dafür. Diese Konsumscham ist der Studie zufolge ein Gefühl, das bei der jüngeren Generation sogar noch ausgeprägter ist. Insofern ist es auch wenig verwunderlich, dass die Jugend von heute auf TikTok Trends wie das „No-buy-Year“ zelebriert: ein Jahr lang nichts kaufen, außer das Nötigste.
Für mich persönlich ist das ein interessanter Versuch, aber ehrlich gesagt nichts, was ich Ihnen empfehlen würde. Denn Leben heißt doch Freude erleben – und diese Freude sollte man sich ruhig gönnen. Ein Abendessen im Lieblingsrestaurant, ein Konzertbesuch, eine Reise, das neue Buch von Martin Suter lesen – das sind doch die schönen Momente, auf die es im Leben ankommt, oder?

Klar – wenn wir über „Quatschkäufe“ sprechen, also Dinge, die man nicht wirklich braucht, oder über Fast Fashion und andere Produkte, die Mensch und Umwelt belasten – gekauft aus Gewohnheit, Druck oder Langeweile, dann unterstütze ich es auch, das sehr kritisch zu hinterfragen. Dieses Geld sollten Sie lieber ins Depot stecken! Aber neben diesem „schlechten Konsum“ gibt es ja auch noch die Kehrseite – den „guten Konsum“.
Konsum kann glücklich machen
Trotz all dieser kritischen Stimmen ist das Bild, das das Konsumbarometer zeichnet, tatsächlich nicht nur negativ. Die Verbraucher wissen zwar um die Schattenseiten des Konsums, aber andererseits zeigt die Befragung auch: Konsum macht glücklich!
70 Prozent der Befragten verbinden mit Konsum den Begriff Vergnügen, für 67 Prozent sorgt Konsum für Wohlbefinden. Und 38 Prozent glauben, dass weniger Konsum ihre Lebensqualität mindern würde. Konsum spielt darüber hinaus für das Selbstbild und die Anerkennung von anderen eine bedeutende Rolle.
Konsum ist also nicht automatisch schlecht. Er kann ein Ventil sein, um sich selbst etwas Gutes zu tun, Freude zu erleben oder den Alltag für einen Moment hinter sich zu lassen. Ein gutes Essen mit Freunden, eine kleine Reise, ein Geschenk für die Liebsten – all das sind wertvolle Investitionen ins eigene Wohlbefinden.

Die richtige Balance finden
Am Ende geht es doch – wie so oft – um die richtige Balance. Konsum kann Freude, Lebensqualität und Selbstbestätigung bringen – aber wir sollten ihn nicht unbewusst treiben lassen und unser Geld für unnützen Krempel ausgeben.
Wer hingegen bewusst kauft, kann genießen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Und ich finde, wer mit den Empfehlungen aus meinen Börsendiensten und mit meinem Trendfolgesystem an der Börse viel Geld verdient, der sollte sich auch ab und an etwas gönnen. Da halte ich es ganz mit Martin Suter, der in besagtem Podcast folgendes von sich gegeben hat: „Ich finde, es gibt eine Konsumpflicht für die, die schön verdienen.“
In diesem Sinne: Gönnen Sie sich etwas, genießen Sie bewusst und lassen Sie sich nicht vom schlechten Gewissen treiben.