Harley Davidson: Eine Trendfolge-Geschichte

Wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume fallen und die Straßen wieder dauerhaft trocken und warm
werden, dann sind auch sie wieder da.

Erst nur ein paar von ihnen, aber im Laufe des Frühlings bevölkern sie wieder die Straßen: die Motorräder.
Meist mit einem Sound ausgestattet, auf den die Formel Eins mittlerweile neidisch schielt. Klein, schnell
oder auch mit viel Chrom und etwas gemütlicher gleiten sie über den Asphalt.

Und jeder von Ihnen, dem nun ein Lächeln über das Gesicht huscht, hat auch eins in der Garage stehen, ist
zumindest schon einmal ein Motorrad gefahren oder war schon einmal Beifahrer. Das Gefühl, wenn einem der
Wind um die Nase weht, vergisst man so schnell nicht.

Es ist ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit.

Jeder Motorradfahrer hat so seine Lieblingsmarke und Vorlieben, aber eins ist wohl allen Motorradliebhabern
gemein: Die Liebe oder zumindest der Respekt für eine amerikanische Legende. Sie alle, ob Motorradfahrer
oder nicht, wissen wovon ich spreche. Und die Legende lebt, mehr als Sie vielleicht denken…

Harley Davidson – ein amerikanischer Traum

Vielleicht sind es genau diese beiden Gefühle von Freiheit und Unabhängigkeit, die die Marke Harley Davidson
so eng mit dem amerikanischen Traum verbindet. Es gibt nicht viele Marken, die so mit den USA verbunden sind
wie die der Motorradbauer aus Milwaukee in Wisconsin.

Bereits 1907 gründeten William „Bill“ Harley und Arthur Davidson die „Harley-Davidson Motor Co.“. Später
schlossen sich die beiden Brüder von Arthur Davidson, William und Walter, ebenfalls dem Unternehmen an.

Gestartet wurde allerdings bereits 1903 in einer kleinen Werkstatt. Es war ein kleiner Holzschuppen, der
hinter dem Hause der Familie Davidson lag.

Bill Harley war zuvor als technischer Zeichner bei der Pawling & Harnischfeger in Milwaukee beschäftigt.
Vor dort kannte er auch seinen Gründungspartner Arthur Davidson, der dort als Modellbauer angestellt war. In
der Firma wurden Elektromotoren gefertigt.

Das erste Motorrad war ein Einzylinder mit Riemenantrieb. Es besaß, so wie es damals üblich war, weder
Bremsen, Federung, Getriebe noch Kupplung.

1905 wurde die Werkstatt zu klein und man zog in ein zweigeschossiges Holzgebäude um, in dem die Motorräder
stetig verbessert wurden.

1906 wurde die Harley Davidson nicht mehr schwarz, sondern grau lackiert. Silent Grey Fellow wurde das
Motorrad genannt, was so viel heißt wie „leiser grauer Kamerad“.

Silent Grey Fellow

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1907 betrug die Jahresproduktion bereits 150 Motorräder.

Im Jahr 1913 steigt Harley Davidson mit Werksmotorrädern in den Motorsport ein und es wird die erste
Auslandsniederlassung in England eröffnet.

Nur sieben Jahre später ist Harley Davidson Weltmarktführer mit einer Jahresproduktion von fast 29.000
Motorrädern und mehr als 2.000 Angestellten. Auch die räumliche Expansion ist beachtlich. Es gibt
Niederlassungen in mehr als 67 Ländern.

1940 ziehen die Motorräder von Harley in den Krieg. Aufgrund der Tatsache, dass die Motorräder den Gasgriff
auf der linken Seite hatten, erlaubten sie den Fahrern, mit rechts zu schießen, Dokumente zu übergeben oder
den militärischen Gruß auszuführen.

Mit dem Tod von Arthur Davidson stirbt 1950 das letzte Gründungsmitglied des Unternehmens. Ab sofort wird
sein Neffe Nachfolger als Vertriebschef. 1965 erfolgt die Umwandlung der Firma in eine
Aktiengesellschaft.

1968 ist kein gutes Jahr für Harley Davidson. Finanzielle und qualitative Probleme sind die Gründe für einen
Fast-Bankrott. Ein Jahr später wird das Unternehmen vom AMF-Konzern übernommen. Um dann aber 12 Jahre später
vom Harley-Management wieder zurückgekauft zu werden.

Ein „dicker Junge“ führt aus der Krise

80 Millionen US-Dollar kostete der Rückkauf, ein lohnendes Geschäft, wie sich herausstellen sollte. Harley
setzte auf einen neuen Motor. Der von Porsche mitentwickelte „Evolution Engine“ wird 1984 in den Markt
eingeführt und 1989 folgte ein weiterer Meilenstein: Mit der „Fat Boy“ entwickelte Harley eine neue
Motorradvariante, den Cruiser.

Fat Boy

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Von 1994 bis 1997 konnten die Produktionszahlen deutlich gesteigert werden. Die Anzahl der produzierten
Motorräder stieg von 95.000 auf 132.000. In den folgenden Jahren wurden die Motorräder immer moderner und
die Motoren wurden immer weiter entwickelt.

Ein Blick auf den Entwicklungschart von Harley Davidson zeigt, dass das Unternehmen einem Trend folgt.

Harley Davidson Entwicklung von 1988 bis heute

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Wenn Sie genau hinschauen erkennen Sie, dass die Jahre der Wirtschaftskrise auch dem Unternehmen stark
zugesetzt haben. Es mussten deutliche Einbußen im Aktienkurs hingenommen werden. Werfen wir einmal einen
Blick nur auf diese Zeit:

Harley Davidson in der Wirtschaftskrise

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Von etwas über 60 USD fiel der Kurs auf unter 8 USD. Eine Harley war wohl das erste, worauf die Menschen in
dieser Zeit verzichten konnten. Aber mit Harley Davidson war es wie mit den meisten anderen Unternehmen, die
gut aufgestellt waren: Sie kamen nach der Krise umso stärker wieder zurück. Fast 800 % machte Harley von
2009 bis heute und hat das alte Vorkrisenhoch wieder erreicht und sogar übertroffen.

800% nach der Wirtschaftskrise

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Doch Harley hat trotzdem ein Problem.

Die Absatzzahlen in den USA sind prima und das Motorrad avanciert in der Gruppe der jungen US-Amerikaner zur
Nummer eins.

Doch auf dem europäischen Kontinent ist der Preis mit knapp 9.000 € einfach zu hoch, um einen Absatz in den
krisengeschüttelten Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien anzutreiben.

Ganz zu schweigen von den neuen Absatzmärkten, die sich in Asien auftun. So war die Verteilung der
Umsatzzahlen 2011 noch sehr USA-lastig.

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Fast 70 % der Umsätze wurden in den USA erzielt. Um nun den Absatz auf einen breiteren Sockel stellen zu
können, wird ein neues Motorrad entwickelt.

Die „Street 750“ soll neue Märkte öffnen.

Die „Street 750“ soll den südeuropäischen und asiatischen Markt erobern. Dazu wurde die Produktion der
„Street 750“ nach Indien verlegt. Zwar wurden zuvor auch schon Motorräder von Harley Davidson in Indien
zusammengebaut, eine komplette Produktion gab es aber vorher nicht im Ausland. Das ist eine Neuerung.

Ob das Experiment klappt und der angepeilte Preis von ca. 7500 € ein Erfolg sein wird, können wir dann ab
September beobachten. Dann soll das neue Modell bei deutschen Harley-Händlern in den Geschäften stehen.

Vorher werden die eigentlichen Zielländer wie Spanien, Portugal und Italien beliefert.

Sie sehen auch hier wieder, Trendfolge sind spannende Geschichten, die mitten in unserem Leben stattfinden.
Tradition und Innovation sind Bestandteil solcher Geschichten. Beteiligen Sie sich daran und Sie werden
nicht nur ein Teil der Geschichte sein, sondern werden auch Ihr Vermögen stetig vergrößern können.